Vom Menschen zur KI – VII


artificial-intelligence-2167835_640

Auswirkungen – Staat und Bürger

Herrschaft gründet sich schon immer auf Macht. Wobei sich die Legitimierung von etablierten Systemen unterscheidet. Bietet mal ein Glaube das Fundament, kann anderswo physische sowie psychische Gewalt oder ein errichtetes Abhängigkeitsverhältnis die Basis stellen. Die kompfortable Lage der Herren resultiert, neben der Legitimation ihrer Macht, aus Informationen und Stimmungen über ihre Knechte. Waren in fernen Zeiten eine Vielzahl an Ohren und Augen notwendig, so bietet die beginnende Loginisierung weit kompfortablere und umfassendere Möglichkeiten.

Bereits Johann Wolfgang von Goethe schrieb

(Ich bin) Ein Teil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

Faust I, Vers 1336 / Mephistopheles

und Oscar Wilde formulierte

Am Ende wird alles gut,
und wenn es noch nicht gut ist,
dann ist es noch nicht das Ende.

Diese Worte spiegeln wieder, daß noch lange nicht aller Tage Abend ist und selbst die finstersten Wolken nicht für alle Zeiten am Firmanent verharren, sondern gleißende Sonnenstrahlen jederzeit durchzubrechen vermag.

In den vergangenden Jahren beschlossen die parlamentarischen Vertreter in zahlreichen Ländern eine Vielzahl an Gesetzen, welche die staatlichen Befugnisse gegenüber ihren Bürgern ausweiten. Mit dem Verweis auf die Sicherheit und der Thematisierung schlimmster Straftaten begründeten Vertreter aus Politik und Medien dieses Vorgehen. Das diese Gesetzte die Sicherheit für die Bürger erhöhen und (potentielle) Straftäter von ihrem Vorhaben abhalten zweifeln inzwischen immer Mehr an. Die technischen Entwicklungen der zurückliegenden Jahrzehnte ermöglichen dieses staatlichen Vorgehen. Hierbei nutzen staatliche Institutionen die von privaten Unternehmen zu kommerziellen Zwecken errichtete Infrastruktur.

Für IT-ler ist es ein offenes Geheimnis, daß Software großer amerikanischer Häuser zahlreiche Hintertüren für die  verschwiegenden US-Dienste implementiert. Mit vergleichbaren staatlichen Vorgaben sehen sich deutsche Unternehmen ebenfalls konfrontiert. Neben Software-Anbietern betreffen solchen Vorschriften Kommunikations- und verschiedenste Internetanbieter sowie Hardware-Hersteller.

Das Auftreten von Sicherheitslücken in Soft- und Hardware resultiert aus diesen staatlichen Vorgaben. Für Manche stellt das Aufspüren solcher Lücken ein Hobby dar. Für Andere die Lebensgrundlage, in dem sie ihre Kenntnisse meistbietent offerieren. Mag sich Jeder seine Gedanken machen welche Interessenten willens und bereit sind für diese Kenntnisse über Sicherheitslücken einen Stapel Geld zu entrichten.

Diese gesetzlich verordneten Schnittstellen gestatten – mit überschaubaren Aufwand – ein Stimmungsbild der Bevölkerung aus der Kommunikation per Telefon und Internet – wie Web, eMail, Messaging –  abzubilden. Mit diesem Bild lassen sich im entstehen begriffene krittische Massen identifizieren sowie auf diese Einfluß ausüben. In den Weiten des Internets platzierte Nischen bieten Unzufriedenen und kritischen Geistern einen kontollierten freien Raum. Diese vorborgenen Biotope dienen der Beschäftigung sowie dem Energieabbau und der Befriedigung der Nörgler, um sie letztlich von einem konstruktiven Handeln abzuhalten.

Neben all den destruktiven Möglichkeiten, welche die Interessen von Herrschenden bedienen, bietet die Loginisierung ein riesiges konstruktives Reservoir. Sinnvolle und nutzbringende Absichten keimen in zahlreichen verschiedenen Bereichen und warten darauf ihr Potential zu entfalten. Wie in der Natur die Keime von Pflanzen sich ihren Weg mit einer gewaltigen Kraftanstrengung bahnen müssen, stehen den konstruktiven Vorhaben im Bereich der Loginisierung enorme Herausforderungen bevor. Behörden – einmal errichtet – besitzen die Eigenart in den Wildwuchs überzugehen. In recht kurzer Zeit steigt in diesen Einrichtungen der Anteil des Selbstzweckes, um ihr weiteres Bestehen zu legitimieren und somit den dort an den Stühlen Klebenden ihr Pöstchen und ihre gesellschaftliche Allimentierung zu sichern.

So verwundert es nicht, daß sich für die Bürger die Vorteile der Loginisierung im staatlichen Bereich nicht erschließen. Vorhaben wie die digitale Gesundheitsakte stoßen auf Mißtrauen und Vorbehalte, da sich eine weitere Entmündigung des Bürgers abzeichnet und dieses System der Bevölkerung ohne Diskussion und einen gesellschaftlichen Konsenz aufgezwungen werden soll.

Dabei bieten Loginen gerade in der Verwaltung enorme Möglichkeiten der Unterstützung. Wer schon einmal einen Stundenplan für eine Schule erstellen durfte weiß, welcher Aufwand mit Zettel und Stift nötig ist um an das Ziel zugelangen. Neben den Fächervorgaben für die unterschiedlichen Klassen sind die Raummöglichkeiten und die Qualifikation der Lehrer zu berücksichtigen. Eine Logine mit den Parametern gefüttern erstellt eine solche Planung in entschieden kürzerer Zeit.

Beispiele ähnlicher Art lassen sich in verschiedenen Bereichen finden. Gemeinsame Folge solcher Beispiele ist, daß im dispositiven Bereich die Aufgaben von weniger Mitarbeitern ausgeführt werden können bzw. Mitarbeiter aus dem produktiven Bereich diese Aufgaben mit geringen Aufwand bewältigen. Als Folge büßen zahlreiche Mitarbeiter aus dem dispositiven Bereich ihren Tätigkeitsfelder ein und könnten bzw. müßten im produktiven Bereich sich betätigen. Etlichen dürften sich bei solchen Gedanken – nach einigen Jahrzehnten wieder produktiv und sich womöglich täglich noch körperlich zu betätigen – die Nackenhaare aufstellen und Fußnägel kräuseln.

In den staatlichen Einrichtungen verlieren die Mitarbeiter – aufgrund des Tagesgeschäftes und der vorhandenen Systemdynamik – häufig aus ihren Blick, wem ihre Tätigkeit dienen soll. Ihre Tätigkeiten erfüllen keinem Selbstzweck, sondern – so die Theorie – dienen den Bürgern und der Gesellschaft. Mit der Loginisierung entsteht die Gelegenheit die Qual der Bürger-Pflichten – wie Steuererklärung oder Anträge – in eine kompfortable und verständliche Form zu bringen und den Bürgern – unabhängig von ihren Vorkenntnissen und ihrer Bildung – die Antragstellung und Abgabe erheblich zu erleichtern. Barierefreie Zugänge zu Formularen und Anträgen – basierend auf den WCAG Empfehlungen des W3C, aufgegriffen in der deutschen BITV – stellen einen ersten Schritt dar.

Eine umfassende und transparente Möglichkeit der Antragstellung über internet-basierte Portale, eine sichere Komunikation sowie begleitende Assistenssysteme für die Bürger fehlen. An solchen Punkten misst sich, ob ein Staat seiner Bürgerschaft dient oder einer sich selber als elitär betrachtenden Gruppe und die restliche Bürgerschaft dem Staat und somit im Dienst dieser kleineren Gruppe steht.


In den folgenden Teilen wird der Versuch unternommen das Themen-Umfeld der KI mit den Fragen zu beleuchten:


Frühere Beiträge aus dieser Themenreihe:


Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.