Vom Menschen zur KI – IX


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Auswirkungen – Risiken & Nebenwirkungen

Wie bei allen Neuerungen sammeln Menschen mit dem Einzug der Loginisierung ihre Erfahrungen. Erlebtes und Wiederfahrendes bietet einen Fundus, um diesen neuen Herausfoderungen nicht völlig unbedarft zu begegnen. Manches überrascht(e) auf den ersten Schritten, enthüllt Risiken und Nebenwirkungen auf den Weg in diese neue Welt.

Mit den Loginen manifestiert sich ein digitales Gedächtnis. Beschränkten sich digitale Erinnerungen früher auf privaten Speicher – anfangs mit notorischen Platzmangel auf Disketten – so löscht heute Niemand mehr Daten. Fehlt es einmal an Speicher, wird dieser um einen kompakteren Datenträger mit größerer Kapazität ergänzt. Unternehmen wie Alphabet Inc. handeln so schon lange. Mittels Loginen – dem Zusammenspiel von Algorithmen und Datenbanken –  lassen sich diese Datenbestände erstellen, pflegen und auswerten. Es entsteht ein Gedächtnis, in dem alles digitalisierbare jederzeit auf Abruf steht. Dieses mächtige Hilfsmittel gestattet allgemeine sowie Rückschlüsse zu einem Einzelnen. Noch lassen sich die zukünftigen Auswirkungen der interdisziplinaren Zusammenarbeit aus den Geisteswissenschaften rund um dieses Hilfsmittel – der Logine –  nicht abschätzen. Der Antrieb über einen Einzelnen genauere Aussagen zu treffen, als er über sich selber beflügelt diese Entwicklung. Das solche digitale Abbildung dabei einem – besseren oder schlechteren – Model entspricht gerät häufig aus den Fokus.

Erste Rückkopplungen kommen bereits zum Vorschein. So können Online-Shops den Interessenten unterschiedliche Preise anbieten. Der Unterschied liegt hier nicht beim Produkt oder der Dienstleistung, sondern resultiert aus dem Standort des Interessenten. Für Regionen mit geringerer Kaufkraft gelten geringere Preise als in Gegenden wie Hamburg-Blankenese. Ähnliches läßt sich bei Suchportalen wie google beobachten. Die selbe Suchanfrage von zwei unterschiedlichen Nutzer zeigt zwei divergente Ergebnislisten an, weil vom Nutzer gesammelte Daten in die Gewichtung der Resultate einfließen. Über den Sinn und Nutzen dieses Vorgehens läßt sich streiten. Völlig aus den Blick sollte es bei der Nutzung von Suchmaschienen nicht geraten.

Auch Versicherungen bemühen sich das bietende Potential zu nutzen. So lassen sich inzwischen günstigere KfZ-Policen – mit dem Einbau eines Trackers im Fahrzeug – abschließen. Laut der Gesellschaft dient dieser digitale protokolierende Begleiter dazu diverse Daten über einen gewissen Zeitraum vor einem Unfall zu speichern. Ob es auf Dauer dabei bleibt oder eine künftige Änderung in den AGBs einen umfassenderen Einblick in die geammelten Daten – wie den gefahrenen Jahres-Kilometern – ermöglicht bleibt bisher ein strategisches Geheimnis solcher Anbieter. Die Verbreitung von Fitness Armbändern brachte Krankenkassen auf den Gedanken ihren Mitgliedern Beträge zu erlassen, wenn für dieses Programm registrierte Mitglieder körperliche Aktivitäten in einem festgelegten Umfang erreichen.

In den Vereinigten Staaten greifen solche Rückkopplungen bereits umfassender. Generell ist es ratsam die Regeln im Straßenverkehr zu befolgen. Für Nutzer von Mietwagen empfielt sich dies besonders, da einige Vermieter die Tracker ihrer Fahrzeuge auf Geschwindigkeitsverstöße auswerten und diese Vergehen bei der Polizei zur Anzeige bringen. Ein falscher Freundeskreis bei einem Socialmedia-Portal wie Facebook kann zur Ablehnung eines Kredites bei US-Banken führen, welche diese Daten zur Berechnung der Kreditwürdigkeit mit einbeziehen.

Diese unvollständige Aufzählung von möglichen Rückkopplungen bietet einen kleinen Vorgeschmack auf zukünftige Entwicklungen. Ob und welche dieser Entwicklungen sich durchsetzen hängt von der Akzeptanz in der Gesellschaft und der damit bestehenden Marktmacht des Unternehmens ab.

Lichtscheue Menschen verstanden es schon immer ihr Ziel mit dem geringsten Aufwand zu erreichen. Mit der Loginisierung bieten sich ihnen neue Möglichkeiten. Gehörte in früheren Tagen das Ausspähen und etwas Glück zum Handwerk von Einbrechern, so erleichtern Unbedarfte heute dieser Zunft ihr Werk. Auf Socialmedia-Portalen für Jederman präsentierte Fotos und Videos des eigenen Domizils sowie der Hinweis vom Urlaub in der Ferne laden förmlich zum Raub ein. Die dezente und unbedachte Präsentation des vor Ort Befindlichen auf dem Bildmaterial erleichtert die Entscheidung für einen Raubzug sowie dessen Planung. Um die Planung abzurunden bieten sich Google Dienste wie Maps oder StreetView an und schon kann das unter Strafe stehende Vorhaben starten.

Neben dem Einblick aus der sicheren Ferne bieten vor Ort genutzte W-Lan Geräte mitunter ungewollte Möglichkeiten. Ein ungesichertes Gerät mit einer unverschlüsselten Übertragung gewährt Dritten Zugriff und Einblick in das gesamte W-Lan Netz mit seinen weiteren Geräten. Dabei ist es unerheblich, ob sich die Schwachstelle im Spielzeug der Kinder, der Gebäude- oder Sicherheitstechnik verbirgt. So erfolgt im schlimmsten Fall über das unsichere Spielzeug der Kinder der Zugriff auf die gesicherte Gebäudetechnik. Mangels äußerer Einbruchsspuren stehen die Betroffenen anschließend hilflos vor ihrer Versicherung und bleiben auf ihrem Schaden sitzen.

In Zeiten von Automatisierung und Digitalisierung läßt sich ein Online-Shop mit geringem Aufwand erstellen. Eine eigene Web-Adresse stellt heute durch Amazon, eBay und anderer Portale kein muß mehr dar. Mit klarem Verstand sollte Jedem bewußt sein, daß Verkäufer an Niemand etwas verschenken. Klingt ein Angebot zu gut um wahr zu sein, wie kann es wahr sein? Leider fraß Gier schon immer Hirn. Statt Produkte und Dienstleitungen an Interessenten zu bringen nutzen Einige diese Möglichkeiten um ihre Kunden zu verkaufen und darüber ihren Lebensunterhalt auf einfache Art zu sichern. Mit Formen der Verschleierung versuchen sie Unsichbarkeit zu erlangen und sich einem Zugriff sowie der Verantwortung zu entziehen.

Bereits angeprochen wurde die Technikgläubigkeit. In gewisser Weise spielt diese in den Aspekt von Fake Shops & Angeboten mit rein. Die Gefahr, daß Menschen sich von einer Logine blenden lassen steigt mit dem verbreiteten Einsatz. Sei es beim Thema der Sicherheit oder bei der Wartung von Anlagen und Maschinen. Vor kurzem beschloss der Deutsche Wetterdienst die manuelle durch eine technische Messung abzulösen. Welche Folgen diese Entscheidung nach sich zieht bleibt abzuwarten. Kritiker befürchten eine steigene Ungenauigkeit der Messungen bei bestimmten Wetterkonstellationen und starken Niederschlägen für einigen Regionen. Aus dieser Meßungenauigkeit kann die Vorhersage von Überschwemmungen – wie in der Winterzeit – für die Anwohner von Flüssen mit einer größeren Ungenauigkeit behaftet sein sowie den daraus resultierenden Folgen.

Wirtschaftlichkeit bildet für jeden Kaufmann die Grundlage seines Handelns. Inwiefern das heutige maßlose Profitstreben einiger Akteure aus der Wirtschaft mit diesem kaufmänischen Grundsatz noch im Einklang steht darf Jeder selber beurteilen. Durch den Einzug und der enormen Verbreitung von neuen technischen Geräten in der Bevölkerung entdeckten Unternehmen ein neues Potential der Kostenersparnis. Mit der passenden App stellt jedes Mobile Device eine Schnittstelle in den Arbeitsfluß eines Unternehmens her. Diese Ersparnis auf Unternehmensseite gestalltet sich häufig als Kostenabwälzung zu Lasten von Mitarbeitern und Kunden. Die Verfügbarkeit des Mobile Device setzten Unternehmen dabei voraus. Für Kunden bedeutet eine solche Strategie zudem oft einen entmenschlichten Service, mit den – häufig für Ältere – sich ergebenden Hürden. Von einem Ausbau dieser Entwicklung ist unter dem gegenwärtigen Dogma der maßlosen Profitmaximierung auszugehen. Das diese Unternehmen einen Teil ihrer Kostenersparnis an ihre Mitarbeiter oder Kunden weitergeben ist nicht bekannt. Vielmehr dürfen sich die Kunden freuen, daß die Preise vorerst weniger steigen und die Mitarbeiter darüber, daß ihre Löhne weniger unter Druck stehen.

Die zunehmende Informationsflut zeichnet sich als weiterer Nebenefekt dieser beginnenden Epoche ab. Neben dem immer noch vorhandenen Spam Stapel im digitalen Postfach dehnt sich diese Flut über Socialmedia- und Video-Portale aus. Die erkenntliche und getarnte Werbung leistet ihr übriges. Die Herusforderung, daß für den Zeitpunkt relevante vom Unnützen zu unterscheiden, gewinnt an Gewicht. Zumal die uferlose Masse an Informationsangeboten es erschwert die Perlen im dreckigen Haufen zu finden.

Die fehlende und ungenügende Rechtssicherheit stellt ein weiteres Risiko dar. In der nahen Vergangenheit nutzten beispielsweise windige Winkeladvokaten unbedarfte Handlungen für Abmahnwellen aus. Hierbei schockierten sie die Abgemahnten mit überzogenen Forderungen und errichteten Drohkulissen. Leider folgten Gerichte – aus Unwissenheit oder Gleichgültigkeit – diesen aufgebauschten fiktiven Schilderungen der abmahnenden Seite und trugen so zur Verunsicherung in der Gesellschaft bei.

Letzten Endes stellen die vorhandene Infrastruktur und die genutzte Technik kein zu unterschätzendes Risiko dar. Der immense Bedarf an Ressourcen erreicht früher oder später seinen kritischen Punkt. Bleiben Antworten auf Herausforderungen – wie Langlebigkeit und Wiederverwertung der technischen Geräte – aus, stößt diese Entwicklung an ihre Grenzen. Eine weitere Barriere stellt momentan die Energiegewinnung dar. Sicher existieren bereits hinter verschlossenen Türen und abgeschirmten Labors – für die breite Masse an Zauberei grenzende – Konzepte und Apperaturen. Bisher zeichnet sich ein Durchbruch für diese neuen Formen der Energiegewinnung noch nicht ab. Die bestehende Zentralisierung der Energie- und Datennetze sowie der Loginen reduziert das Risikopotenzial ebensowenig. Die dezentrale Struktur des Internets trug mit zu seinem Erfolg bei. Zentralisierte Systeme ohne eine Redundanz stellen ein Risiko dar und gemäß Murphy’s Law Geht eines Tages alles schief, was schief gehen kann.


In den folgenden Teilen wird der Versuch unternommen das Themen-Umfeld der KI mit den Fragen zu beleuchten:

  • Auswirkungen – Perspektiven
  • Rückblick – Wie konnte dies geschehen?
  • Rückblick – Vergangene gesellschaftliche Umbrüche
  • Ausblick – Dystopie
  • Ausblick – Utopie
  • Fazit

Frühere Beiträge aus dieser Themenreihe:


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