Vom Menschen zur KI – XI – Zweiter Teil

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Rückblick – Wie konnte dies geschehen? – Zweiter Teil

Zeitmessung

Reichte in grauen Vorzeiten für die Strukturierung des Lebens eine grobe Einteilung des Tages und eine Orientierung an den Jahreszeiten, so erfordern komplexere Gesellschaften mit begrenzten Raum und Ressourcen eine präzisere Zeiteinteilung. Diese Erfassung gestatten die Werkzeuge Kalender und Uhr. Anfangs dienten Wasser-, Sonnen- und Sanduhren für die Kurzzeit-Messung. Bereits in früheren Zeiten fanden Getriebe in unterschiedlichen Bereichen Anwendung. Für Uhren ließ sich dieser Ansatz mit der Erfindung der Hemmung nutzen. Eine solche Räderuhr in Mailand findet in einer Urkunde aus dem zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts ihre Erwähnung. Mit verbesserten Kenntnissen der Mechanik und handwerklichen Vermögen entstanden Apparaturen, welche eine genauere Messung zwischen Momenten erlaubte. Diese mechanischen Systeme gewannen im Laufe der Zeit an Präzision und entwickelten sich mit der einsetzenden Miniaturisierung zu mobilen Begleitern. In mechanischen Taschen- und Armbanduhren sowie Chronographen zeigt sich die Kunstfertigkeit noch heute. Diese sich entwickelnden Kenntnisse bei der Fertigung von Uhren diente in anderen Bereichen als Inspiration oder Grundlage.

Schrift & Buch

Zahlreiche archäologische Funde belegen die Existenz von Schriften. So fertigten Inder in ferner Vergangenheit bereits aus beschriebenen Palmblätter Bücher. Als Defizit erweist sich die beschränkte Fläche der Blätter für Schriften. Andere Kulturen nutzten Tafeln aus Ton, Stein oder Metall. Die aufwendige Fertigung solcher Tafeln schränkt die breite Verfügbarkeit ein. Zudem erschwert das Gewicht die alltägliche Nutzung. Eine Verbesserung stellen Schriftrollen aus Papyrus und Pergament dar, welche eine größere Fläche bei geringem Gewicht bieten. Als Schwäche offenbart sich hier mit zunehmender Textlänge das Auffinden von Passagen. Im römischen Altertum nutzten Menschen Wachstafeln für ihre alltäglichen Notizen. Mit dem Austausch der Wachsschicht gegen Blätter aus Pergament und Papyrus entstand eine frühe Buchform. Die Weiterentwicklung führte im frühen Mittelalter in Europa zu einer Blüte in der Fertigung von aufwendigen und prachtvollen Büchern in Klosterskriptorien.

Papier & Buchdruck

Mitte des 13 Jahrhunderts entstanden in Italien erste Papiermühlen, nachdem Papier über arabische Händler nach Italien gelangte. Die erste Papiermühle im deutschsprachigen Raum nahm Ende des 14. Jahrhunderts in Nürnberg ihren Betrieb auf. Dieses neue Schreibmaterial verdrängte – aufgrund geringerer Kosten und einer höheren Verfügbarkeit – rasch Papyrus und Pergament. Die um 1450 von Gutenberg entwickelte Drucktechnik der beweglichen Letter ergänzte sich bestens mit dem Schreib- und Druckmaterial Papier. So befeuerten sich diese beiden Neuerungen gegenseitig. Die gesellschaftlich einsetzenden Veränderungen führten zu einer einsetzenden Alphabetisierung weiter Bevölkerungsteile in Europa.

Rechen- & Schreibmaschine

Buchstaben und Zahlen finden seit Langem ihre Anwendung in Kirchen & Klöstern, bei Hofe und Kaufleuten sowie Geldverleihern. Es kann wenig überraschen, daß Menschen zu allen Zeiten sich bietende Möglichkeiten ergriffen, um ihnen gestellte Aufgaben mit weniger Aufwand zu lösen. Mit der Fertigung mechanischer Uhren wuchsen die Kenntnisse und Fähigkeiten in der Feinmechanik. Eine Übertragung dieses Wissens in andere Bereiche bot sich an.

So beschrieb Anfang des 17. Jahrhunderts Wilhelm Schickard in einen Brief an Johannes Kepler eine Rechenmaschine. In der Mitte des 17. Jahrhunderts stellte der Franzose Blaise Pascal seine Rechenmaschine Pascaline vor. Er nutzte für seine Maschine die Funktion von Zahnrädern und Sperrklinken. Es darf wenig überraschen, daß es den ersten Rechenmaschinen noch an Präzision und Komfort fehlte. So beherrschten die frühen Rechenmaschinen Addition und Subtraktion. Später folgten Multiplikation und Division. Erst einige elektronische Rechenmaschinen beherrschten die Berechnung der Quadratwurzel.

Anfang des 18. Jahrhunderts erhielt Henry Mill ein Patent, in welchem er die Funktionsweise einer – uns bekannten – Schreibmaschine beschrieb. Ungewiss bleibt, ob eine solche Maschine damals gefertigt wurde. Ein wesentlicher Antrieb für die Erfindung der Schreibmaschine bestand im Vorhaben Blinden das Schreiben zu ermöglichen. Eine erste funktionierende Schreibmaschine stammt vom Italiener Pellegrino Turri, welche er für die erblindete Gräfin Carolina Fantoni da Fivizzano Anfang des 19. Jahrhunderts fertigte.

 Lochkarten & Spieldosen

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts finden lochkartenähnliche Systeme bei verschiedene automatischen und teilautomatischen Musikinstrumente wie Orgeln, Klavier oder Drehorgel als auch bei automatisierten Webstühlen ihre Verwendung. Diese Systeme bilden eine Weiterentwicklung von Geräten, wo die Steuerung der mechanischen Abläufe durch drehende Stift- / Loch-walzen bzw. -scheiben erfolgte. Diese Form der Speicherung ermöglicht die codierten Daten schnell und kostengünstig zu duplizieren sowie ein neues Programm mit einfachen Mitteln zu erstellen.

Der Genfer Uhrmacher Antoine Favre-Salomon nutzte Ende des 18. Jahrhunderts eine klingende Stahlzunge für die Fertigung einer Musikdose. Aus dieser Erfindung entstanden die Walzenspieldosen. Zum Ende des 19. Jahrhunderts erfand der Leipziger Paul Lochmann die Plattenspieldose. Diese Erfindung gilt als Vorläufer des Grammophones. Die Fertigung von Blechplatten war kostengünstiger als jene von Musikwalzen und bot einen einfachen Austausch des Musikträgers. Mit der einsetzenden Industrialisierung wurden die Plattenspieldosen in Massen hergestellt und waren für nahezu Jeden erschwinglich.

Optik

Die Wurzeln der Optik reichen weit in die Antike zurück. Aus dem 11. Jahrhundert stammt das Buch Schatz der Optik des Arabers Alhazen, in welchem er die vergrößernde Wirkung von Glaskugeln beschreibt. Nach der Übersetzung ins Lateinische – in der Mitte des 13. Jahrhunderts – gelangte dieses Buch in den Besitz zahlreiche Klosterbibliotheken. Die steigende Verwendung der Schrift und das Wissen – daß Glas vergrößert – ließ vermutlich Mönche in einem Kloster den ersten Lesestein aus Bergkristall schleifen. Einige Jahrzehnte später führt die Weiterentwicklung der Lesehilfen zu ersten Lesegläser und Brillen. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts nutzten Galileo Galilei und einige Jahre später Kepler Linsen für den Bau ihrer Teleskope. Fast weitere 200 Jahre vergingen bis farbreine und lichtstärkere Objektive zur Verfügung standen. Blickten Galileo Galilei und Kepler in die Ferne, so rückte an anderer Stelle das Unbekannte im Kleinen in den FokusDie Anfänge der Lichtmikroskopie liegen vermutlich in den  Niederlanden. Wie bereits bei den Teleskopen fanden Linsen auch hier eine neue Anwendung. 

Photographie & Film

Der Gebrauch der Camera obscura läßt sich bis in das 11. Jahrhundert zurückverfolgen. Durch die Projektion einer seitenverkehrt und auf dem Kopf stehenden Abbildung vereinfacht dieses Werkzeug die detaillierte Nachzeichnung von Landschaften oder großen Gegenständen. In frühen Systemen fielen Lichtstrahlen durch ein kleine Öffnung in einen verdunkelten Raum auf eine Fläche. Im 17. Jahrhunderts verhalfen Linsen zu helleren und schärferen Abbildungen sowie der erfundene Ablenkspiegel zu einem handlichen Aufbau.

Die Farbänderung von Substanzen im Sonnenlicht fiel bereits zu Beginn des 18. Jahrhundert auf. In den Jahren 1826 / 27 gelang den Franzosen Niépce und Daguerre nach mehreren Stunden Belichtung die älteste erhaltene Heliographie auf einer beschichteten Kupferplatte. Eine Dekade später führten die Entdeckung weiterer lichtempfindlicher Silbersalze, verbesserte Linsen und erste lichtstarke Objektive zu einer erheblichen Reduzierung der Belichtungszeit.

Das erste Negativ-Verfahren stellte Talbot 1840 vor, welches die beliebige Vervielfältigung von Bildern zuließ. Mit der ersten industriellen Rollfilmkamera – der Kodak Nr. 1 – begann eine Standardisierung und aufkommende Entwicklungsdienst erleichterten die Photographie. Zum Ende des 19. Jahrhunderts vereinfachten Filmstreifen – anfangs auf Papierbasis, später auf Zelluloid – sowie das Einkapseln der Rollfilme die Photographie. Mit der Perforation von Kino- und Kleinbildfilmen etablierte sich ein weiterer Standard. An der Schwelle zum 20. Jahrhundert lagen die Voraussetzungen für die korrekte Tonwertwiedergabe von Grauwerten und der Farbfotografie vor. Im Jahr 1936 präsentierten Agfa und Kodak den ersten Dreischichten-Farbfilm.

Das Wissen über die Herkunft der Laterna magica versanken im Dunkel der Zeit. Im Buch Die große Kunst von Licht und Schatten des deutschen Jesuiten Athanasius Kircher aus dem Jahre 1671 findet sich eine erste Darstellung einer solchen Laterne. Auf seinen Reisen durch Europa verhalf der Däne Walgenstein der Laterna magica zur Bekanntheit und gilt als ihr Namensgeber.

In den Anfangstagen bestaunten Betrachter projizierte Abbildungen in dunkler Umgebung. Mit verborgenen Laternen vergrößerte sich die Illusion, um im 18. Jahrhundert mit vorgeführten Bilderfolgen – welche den Eindruck von Bewegung erzeugten – eine weitere Steigerung zu erfahren.

Zum Massenmedium entwickelte sich die Laterna magica in Zeiten der Industriellen Revolution. Erschwingliche Laternen und Bilderserien sowie ein sich ausdehnendes Verleihsystem begünstigten diesen Erfolg.

Eine weitere Illusion von Bewegung erzeugt das 1832 entwickelte Lebensrad, welches die Stroboskopische Bewegung für seine Bilderfolge nutzt.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte der Franzose Louis Le Prince eine Filmkamera und drehte mit ihr 1888 die ersten bewegten Bilder. Entwicklungen in der Photographie ermöglichten die Aufzeichnung von Bewegungen mit 15 Bildern pro Sekunde. Im Rahmen eines Varieté-Programms erlebte ein zahlendes Publikum im Berliner Wintergarten Ende 1895 die Präsentation von neun kurzen Filmen auf einer Leinwand. Einige Tage vor dem Jahreswechsel 1895/96 stellten die Brüder Lumière in Paris ihren 35-mm-Cinématographe vor. Der Erfolg dieses Gerätes resultiert aus der Verbindung von Aufnahme und Wiedergabe sowie dem Kopieren. Anfänglich boten die Brüder ihre Cinématographen zum Verleih und nach 1897 zum Erwerb an.

Zunächst nutzen Schausteller diese Geräte für ein Nebengeschäft. Aus diesem Nebenerwerb entwickelten sich Wanderkinos, welche den Betreibern den Lebensunterhalt sicherten. In den frühen Tagen der bewegten Bilder präsentierten kurze Filme Alltägliches auf der Leinwand. Die Technik selber übte die Faszination auf die Zuschauern aus.

Der französische Theaterbesitzer Georges Méliès begann ab 1896 inszenierte Filme zu phantastischen Themen zu drehen. Rasch erfreuten sich Slapstick-Komödien beim Publikum großer Beliebtheit. Zum Ende der 1920 leitete der Film Der Jazzsänger die Ära des Tonfilms ein. Mit dem Ton bereicherten in den 1930er neue Formate wie Musical, Gangster- und Horrorfilm die Lichtspielhäuser. Bewegte Bilder in Farbe erblickten die Zuschauer bereits mit Anbruch der Filmvorführungen. Ihre Farbe erhielten die Filme mitunter nach der Entwicklung durch Färbungen im Farbbottich, Handcoloration oder Färbung mit einer Schabloniermaschine. Ab den 1930 traten die Farbfilme aufgrund verbesserter Verfahren ihren Siegeszug an und verdrängten zunehmend die Schwarz-Weiß-Filme von der Leinwand.


In den folgenden Teilen wird der Versuch unternommen das Themen-Umfeld der KI mit den Fragen zu beleuchten:

  • Rückblick – Wie konnte dies geschehen? – Dritter Teil
  • Rückblick – Vergangene gesellschaftliche Umbrüche
  • Ausblick – Dystopie
  • Ausblick – Utopie
  • Fazit

Frühere Beiträge aus dieser Themenreihe:


Stein-Zeit: Buchstabensalat – Barbara Kofen … und andere Formen der Schrift

Quelle: Stein-Zeit – Buchstabensalat – Barbara Kofen bei SteinZeit [45:10 min]

Stein-Zeit – Am 22.03.2015 veröffentlicht

Buchstaben- oder Zahlensalat verbreitet sich immer mehr unter Schülern. Selbst Erwachsene sind davon betroffen. Hinter den sogenannten Begriffen „Legasthenie“ (Lese-Rechtschreib-Schwäche) oder „Dyskalkulie“ (Rechenschwäche) verbirgt sich jedoch keine Schwäche oder Störung. Oft sind gerade diese Menschen besonders kreativ und intelligent. Umso schwieriger ist es für sie und ihr Umfeld nachzuvollziehen, warum sie an Buchstaben oder Zahlen scheitern. Barbara Kofen erklärt im Gespräch mit Robert Stein, was ihrer langjährigen Erfahrung nach hinter diesem Erscheinungsbild steckt, und wie sie den Betroffenen in kurzer Zeit helfen kann. http://www.lese-rechtschreib-strategien.de

Bei der Betrachtung des oberen Vid kam mir der Vortrag von Erhard Landmann Die wissenschaftliche Entschlüsselung aller antiken Hieroglyphen wieder in den Sinn mit der Frage:

Gesetzt die These von Erhard Landmann trifft zu. Waren die Vorderen im Alten Ägypten, Lateinamerika, Mittel- und Südamerika und an anderen Orten soviel besser mit ihrer Intelligenz, aufgrund anderer Denk- und Verarbeitungs-Abläufe, welche sich in den überdauerten Hieroglyphen heute noch zeigen?

Die von Landmann aufgestellte These: Alle bekannten Hieroglyphen weltweit formen sich aus Lateinischen Buchstaben und bilden Wörter in Althochdeutsch.

Trifft diese These zu, so zeigt sich, dass neben unserer Linearen Schreibweise ebenso andere alltagstaugliche – vielleicht sogar besser & schneller aufnehmbare – Schriftformen vorhanden sind.

Quelle: PolartagErhard Landmann – Weltbilderschütterung [50:57 min]